KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude sind längst ganz selbstverständlich in unseren Alltag eingezogen. Dass die Nutzung dieser Dienste massenhaft Daten in (US-)Clouds hochlädt, ist auch den meisten Benutzern bewusst. Vielen ist es schlicht egal, andere wägen ab, was sie dem Chatbot anvertrauen und eine dritte Gruppe schreckt aus diesem Grund vor der Nutzung zurück.
Eine gewisse Alternative bieten Dienste wie das französische Mistral, da diese zumindest der DSGVO unterliegen.
Aus Datenschutz-Sicht weitaus besser jedoch ist ein Dienst, der gespeicherte Chats so verschlüsselt, dass sie weder Dritte noch der Betreiber selbst mitlesen können.
In diesem Artikel möchte ich euch den Schweizer Dienst Proton Lumo vorstellen, der mit „Zero-Access-Verschlüsselung" wirbt.
Wer steht hinter Proton Lumo?
Hinter Lumo steht die im schweizerischen Genf ansässige Firma Proton. Proton wurde im Jahre 2014 von ehemaligen Wissenschaftlern des CERN gegründet (welches auch der Geburtsort des World-Wide-Web ist). Anfangs konzentrierte sich Proton auf einen verschlüsselten E-Mail-Dienst (Proton Mail). Heute bietet Proton ein ganzes Bündel von Diensten, darunter E-Mail, Cloud-Speicher, Passwortmanager und vieles mehr. Im Vordergrund steht dabei stets Datenschutz und Datensicherheit. Das wichtigste Merkmal ist dabei die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, durch die laut Proton nicht einmal die Firma selbst die Daten einsehen kann. Auch beim KI-Chatbot Lumo setzt Proton nach eigener Aussage auf Zero-Access-Verschlüsselung, durch die gespeicherte Chats für Angreifer, Behörden und selbst für den Betreiber nicht einsehbar sein sollen.
Während die großen US-Anbieter Anthropic und OpenAI derzeit ihren Börsengang vorbereiten, gehört Proton der gemeinnützigen Proton Foundation, deren Ziel die Förderung von Privatsphäre und Freiheit ist.
Interessanter Fact zum Serverstandort: Proton verlagert derzeit seine Server aus der Schweiz nach Deutschland und Norwegen. Als Grund werden Unsicherheiten aufgrund von geplanten Gesetzen in der Schweiz genannt. Hier setzt Proton also auf den Schutz der Daten in der EU.
Wie arbeite ich mit Lumo?
Der Chatbot von Lumo ist im Browser unter der Adresse lumo.proton.me zu erreichen. Wer Erfahrung mit ChatGPT oder Google Gemini hat, wird sich auch in Lumo schnell zurechtfinden. Hinkte Lumo vom Funktionsumfang anfangs den großen Playern noch stark hinterher, hat sich der funktionale Abstand mit Lumo 2.0, welches im Juni 2026 veröffentlicht wurde, deutlich verkleinert.
Hauptbestandteil der Chat-Oberfläche ist ein großes Eingabefeld, wie man es auch von den Wettbewerbern gewohnt ist. An Einstellungsmöglichkeiten gibt es zum einen ein etwas schnelleres Modell für einfache Aufgaben sowie „Lumo 2.0 Max", welches etwas länger überlegt, dessen Antwortqualität dafür aber besser ist. Ferner lässt sich einstellen, wie intensiv Lumo über die Antwort nachdenken soll. Es lassen sich wie gewohnt Bilder oder Screenshots hochladen (diese Funktion kam tatsächlich erst im Juli 2026 dazu).
Die Suche im Web ist möglich – lässt sich aber auch ausschalten.
Lumo erzeugt auch Bilder – mit der Qualität beispielsweise von Googles Nano Banana können die Ergebnisse meiner Einschätzung nach aber nicht mithalten.
Wie die großen Wettbewerber bietet Lumo eine Erinnerungsfunktion. Auch diese lässt sich vollständig abschalten oder es können einzelne Erinnerungen gelöscht werden.
Für die Arbeit in Projekten lassen sich Projektordner erstellen. Diesen können dann beispielsweise PDF-Dokumente hinzugefügt werden, die dann (nur) in diesem Projekt zur Verfügung stehen.
Schließlich gibt es die Möglichkeit, sogenannte „Benutzerdefinierte Lumos" anzulegen. Das sind kleine Agenten, denen man bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten gibt. So könnte man zum Beispiel einen „Excel-Lumo" erstellen, der speziell auf Fragen zu Microsoft Excel trainiert ist und zum Beispiel die Anweisung kennt „Antworte möglichst mit einer präzisen Excel-Formel in deutscher Syntax".
In den Einstellungen kann man Lumo generelle Anweisungen geben, wie z. B. „spreche stets deutsch mit mir" oder „duze mich" oder „rate oder spekuliere nie, sondern frage im Zweifel nach". Auch diese Funktion kennt man von den großen Playern.
Welche Sprachmodelle nutzt Lumo?
Proton setzt für Lumo auf Open-Source-Modelle, die auf eigener Hardware gehostet werden. Dabei kommen mehrere Modelle zum Einsatz – je nach Anwendungsfall routet Lumo die Frage zum passenden Modell. Die tatsächliche Zusammensetzung der Modelle ändert sich von Zeit zu Zeit.
Eine Besonderheit ist die Verwendung des Schweizer Modells Apertus 1.5 – entwickelt von Forschern der EPFL und ETH Zürich gemeinsam mit dem Schweizerischen Nationalen Rechenzentrum (CSCS), trainiert auf dem Alps-Supercomputer, veröffentlicht unter Apache-2.0-Lizenz. Dieses Modell wurde erst im September 2026 integriert und ist das einzige Modell, welches sich explizit im Chat auswählen lässt.
Was kostet Lumo?
Für die Nutzung von Lumo gibt es drei Wege:
- Kostenlos ohne Anmeldung: Über die Weboberfläche kann der Dienst direkt, ohne Abo und ohne Anmeldung genutzt werden. Allerdings stehen so nur ein paar Anfragen pro Tag zur Verfügung.
- Kostenlos mit Anmeldung: Hier hat man deutlich mehr Anfragen zur Verfügung als ohne Anmeldung, allerdings sind diese auch hier begrenzt und in Zeiten mit hohem Aufkommen bekommt man auch mal keine Antwort.
- Lumo Plus im Abo: Das Abo kostet 12,99 Euro pro Monat bei monatlicher Zahlweise und 9,99 Euro bei jährlicher Zahlweise im Voraus.
Wie ist die Qualität im Vergleich zu den Big Playern?
Um es klar zu sagen: im täglichen Alltag hinkt die Qualität von Lumo meiner Einschätzung nach der von ChatGPT oder Claude etwas hinterher. Man muss sich aber natürlich in Erinnerung rufen, dass die US-Giganten etliche Milliarden an Dollar zur Verfügung haben, während sich Proton ausschließlich über die Abo-Gebühren finanziert. Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass meine Chats verschlüsselt sind und auf Servern in der EU verbleiben. So stelle ich Lumo durchaus auch mal eine konkrete Frage aus dem Gesundheits-Bereich, was ich mich bei ChatGPT so nicht trauen würde.
Eher ein wenig lustig als wirklich störend empfinde ich, dass Lumo gerne mal in ein „Denglisch" verfällt, also englische Begriffe in einer sonst deutschen Konversation verwendet. Aber auch das dürfte sich im Laufe der Zeit verbessern.
Fazit
Lumo kostet etwa die Hälfte eines Monatsabos von ChatGPT oder Claude, ist aber bei Weitem besser als halb so gut. Gewisse Abstriche an der Qualität muss man machen. Die Zero-Access-Verschlüsselung und der Serverstandort in der EU sind mir diese Einschränkungen aber wert.