Instapaper vs. Pocket

Sogenannte Read-it-later-Tools speichern Artikel oder ganze Internetseiten, damit man sie zu einem späteren Zeitpunkt lesen kann.

Die beiden Platzhirsche dabei sind die Dienste Instapaper und Pocket.
Auf der Suche nach dem für mich perfekten Dienst habe ich mir beide genau angesehen und möchte hier einen Vergleich der beiden nützlichen Helferlein aufzeigen.

Instapaper vs. Pocket

Was sind Read-it-later Dienste?

Oft stolpert man im Internet über einen Beitrag oder Artikel den man gerne lesen möchte. Manchmal hat man aber gerade in diesem Augenblick nicht die Zeit dazu, z.B. weil man in der Straßenbahn gleich die Haltestelle erreicht. Manchmal lässt man dann das Browserfenster offen mit der Absicht, den Artikel zu Ende zu lesen, wenn man die Zeit dazu hat. Oft genug aber gerät der Artikel dann in Vergessenheit oder man findet ihn nicht wieder.

Hier wollen die Read-it-later Dienste helfen – und tun das auch sehr gut.

Hat man einen Artikel im Internet entdeckt, den man für später archivieren möchte, schickt man diesen mit einem Klick oder Tipp an den gewünschten Dienst. In diesem kann man ihn später in Ruhe lesen – wahlweise sogar in einer speziellen angepassten Leseansicht oder man lässt ihn sich von einer (Computer-)Stimme vorlesen. Die beiden hier vorgestellten Lösungen bieten ihre Dienste hierfür im Browser an sowie in Apps für Android und iOS (Instapaper auch für Kindle).

Instapaper versus Pocket

tl;dr:

Beide Dienste bieten eine kostenlose sowie eine kostenpflichtige Version an. Bereits die kostenlose Variante deckt bei beiden Diensten die meisten Anforderungen ab.
Instapaper glänzt durch ein minimalistisches, aufgeräumtes Design. Das modernere Konzept bietet aber Pocket. Deshalb ist Pocket trotz des höheren Preises für die Bezahlversion mein Favorit.

Instapaper

Pro:

  • minimalistisches, aufgeräumtes Design
  • Möglichkeit, Notizen zu Hervorhebungen zu hinterlegen
  • anpassbarer Speed-Reading-Mode

Contra:

  • keine Tags
  • Original lässt sich nur über Umwege öffnen
  • Probleme mit eingebetteten Videos

Der Dienst Instapaper ist seit 2008 auf dem Markt, gehörte einige Zeit zu Pinterest und wird seit 2018 von der Firma Instand Paper inc. aus den USA angeboten.

Möchte man einen Fund aus dem Internet für später aufbewahren, kann man diesen am Smartphone über die Teilen-Funktion an die Instapaper-App senden oder man klickt am Desktop auf das “I”-Icon der Browsererweiterung. Die Browsererweiterung ist für alle gängigen Browser verfügbar (für den neuen chromium-basierten Microsoft Edge kann man die Chrome-Variante installieren).

In der Oberfläche von Instapaper kann man den Artikel dann in einer speziellen lesefreundlichen Ansicht lesen, bei der Werbung und sonstige unnötige Elemente entfernt wurden. Den Hintergrund kann man dabei hell, dunkel oder sepia einfärben und auch für die Schriftart und Schriftgröße gibt es Einstellungsmöglichkeiten. Alles in allem erinnert die Leseansicht von Instapaper an eine gedruckte Zeitung.

Zur Verwaltung der Sammlung gibt es die Möglichkeit, Ordner anzulegen. Es gibt aber für Ordner nur eine Hierarchiestufe, also keine Unterordner. Somit lässt sich jedes Fundstück nur einer “Rubrik” zuordnen.

Die Artikel können des Weiteren als “Favorit” gekennzeichnet werden und sind dann in einer speziellen Favoritenliste verfügbar. Auch kann ein Artikel als “archiviert” gekennzeichnet werden. Beim Archivieren geht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Ordner jedoch verloren.

Instapaper bietet die Möglichkeit, Textstellen mit einem virtuellen Textmarker zu markieren. Es lassen sich zu solchen Markierungen auch eigene Notizen anfügen – in der kostenlosen Variante allerdings nur 5 Notizen pro Monat.

Instapaper bietet redaktionelle Vorschläge für Artikel aus dem Internet an. Da dies jedoch auf amerikanische Dienste (und Interessen) zugeschnitten ist, habe ich diesem Feature bisher keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Zum Zeitpunkt meines Tests ist es mir nicht gelungen, in Instapaper gespeicherte Youtube-Videos abzuspielen. Auch gibt es keine einfache Möglichkeit, aus Instapaper heraus die Original-Website zu öffnen. Dies gelingt nur, indem man sich den Link in die Zwischenablage kopiert und in einem neuen Browserfenster wieder einfügt.

Premium-Version

Instapaper lässt sich bereits in der kostenlosen Variante sehr gut nutzen. Immerhin lässt sich der Dienst somit ausgiebig testen, bevor man ggf. auf die Bezahlversion wechselt.
Die Premiumversion kostet entweder 2,99 USD im Monat oder 29,99 USD im Jahr. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels kann man USD in EUR nahezu 1:1 umrechnen.

In der Bezahlversion erhält man folgende Vorteile:

  • eine Volltextsuche
  • das Limit für nur 5 Notizen pro Monat entfällt
  • eine Text-to-Speech Playlist in der mobilen Version (also das Vorlesen von Artikeln)
  • eine Speed-Reading-Option, mit der standardmäßig 350 Wörter pro Minute angezeigt werden (einstellbar)
  • keine Werbung mehr für die Bezahlversion
  • “Send-to-Kindle”-Option

Die Speed-Reading-Option ist eine gute Möglichkeit, Texte wirklich schnell zu erfassen. Das klappt mit den vorgeschlagenen 350 Wörtern pro Minute erstaunlich gut.
Wirklich praktisch ist die Volltextsuche.
Ansonsten gibt es kein wirkliches Killer-Argument für die Bezahlversion.

Pocket

Pro:

  • möglichkeit mehrere Tags zu vergeben
  • spielt Videos ohne Probleme ab
  • öffnet die Original-Website mit einem Klick

Contra:

  • etwas buntes, verspieltes Design
  • Bezahlversion relativ teuer

Der Dienst Pocket startete im Jahr 2007 als eine Erweiterung des Firefox-Browsers.
Im Jahr 2017 wurde Pocket von der Mozilla-Corporation, der Organisation hinter Firefox und dem Mail-Client Thunderbird, übernommen.

Pocket bietet seinen Dienst im Web an sowie in Apps für Android und iOS.
Fundstücke aus dem Web gelangen über eine Browsererweiterung für alle gängigen Browser (incl. dem neuen chromium-basierten Edge von Microsoft) oder über die Teilen-Funktion des Smartphone in die eigene Sammlung.

Beim Klick auf die Browsererweiterung (Hosentaschen-Symbol) hat man gleich die Möglichkeit, dem Netzfund eines oder mehrere Tags, also “Etiketten” zuzuweisen. Ordner, wie bei Instapaper, gibt es nicht.
Tags haben meines Erachtens gegenüber Ordnern einen großen Vorteil. Nehmen wir an, ich finde auf Youtube einen Clip der Youtuberin Dodie, in dem sie eine Coverversion des Beatles-Klassikers Blackbird auf der Gitarre spielt. Diesem Netzfund kann ich nun die Tags “Dodie”, “Beatles”, Musik”, “Gitarre” oder einfach nur “Musik” zuweisen und später unter diesen Tags wiederfinden. Beim Ordner-Konzept kann ich dem Clip nur ein einziges Ordnungskriterium zuweisen.

Pocket bietet die Möglichkeit, Artikel zu einer Favoritenliste hinzuzufügen sowie Artikel zu archivieren. Beim Archivieren bleiben die Tags erhalten.

Man kann in Pocket Textpassagen mit einem virtuellen Textmarker markieren. Die Möglichkeit, eigene Notizen zu den Markierungen hinzuzufügen wie bei Instapaper, fehlt bei Pocket.

Auch Pocket bereitet Artikel in einer auf das Lesen optimierten Optik an, bei der unnötige Elemente ausgeblendet werden. Der Hintergrund kann nach Wahl gefärt werden (hell, dunkel, sepia) und die Schriftart und -größe lässt sich einstellen.

In der App kann man sich Artikel von einer computergenerierten Stimme vorlesen lassen, auch in erhöhter Geschwindigkeit.

Zum Zeitpunkt meines Tests bettet Pocket Youtube-Videos ein und man kann diese Problemlos abspielen.
Pocket bietet in jedem gespeicherten Artikel die Möglichkeit, mit einem Klick zum Original-Artikel zu wechseln.

Auch Pocket bietet redaktionell ausgewählte Inhalte. Diese sind aber nur interessant, sofern man in den USA lebt oder sich aus sonstigen Gründen speziell für USA-lastige Themen interessiert.

Premium-Version

Die kostenlose Version von Pocket dürfte für viele Leute absolut ausreichend sein. Zumindest kann man den Dienst so lange und ausgiebig testen.

Die kostenpflichtige Version von Pocket kostet entweder 4,99 USD im Monat oder 44,99 USD im Jahr. Auch hier der Hinweis, dass per April 2020 der Umrechnungskurs USD zu EUR nahezu 1:1 ist.

In der Bezahlversion erhält man folgende Vorteile:

  • keine Werbung für die Bezahlversion (diese ist in der kostenlosen Version etwas penetrant)
  • gespeicherte Inhalte bleiben erhalten, selbst wenn das Original nicht mehr vorhanden sein sollte
  • Volltextsuche über Inhalte, Tags, Themen, Autoren…
  • Vorschläge für Tags
  • unbegrenzte Markierungen
  • erweiterte Einstellungsmöglichkeiten für Zeilen- oder Zeichenabstände, weitere Schriftarten etc.

Fazit

Beide Dienste, Pocket und Instapaper, sind sich in ihren Eigenschaften recht ähnlich.
Beide lassen sich gut kostenlos nutzen und testen – in der Bezahlversion ist Pocket ein ganzes Stück teurer.
Instapaper hat in meinen Augen das gefälligere Design – aber Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Für mich gibt es zwei Killerargumente zugunsten Pocket:

  • Das Konzept der Tags ist dem der Ordner bei Weitem überlegen und moderner
  • Instapaper eignet sich nicht für Youtube-Videos

Diese beiden “Killerargumente” können für jemand anderes aber auch gar keine Rolle spielen und man setzt andere Prioritäten.

Datenschutz

Ein Wort noch zum Thema Datenschutz:
Je mehr Artikel man aus dem Internet zu seiner persönlichen Sammlung hinzufügt, desto mehr gibt man möglicherweise über sich selbst preis.
Hier ist es wichtig zu wissen, dass beide Dienste ihre Daten in den USA speichern.
Instapaper hat mit Einführung der DSGVO seine Dienste für EU-Bürger einfach mal für mehrere Monate eingestellt. Mozilla hat einen sehr guten Ruf in Bezug auf Datenschutz und Datensparsamkeit, unterliegt aber natürlich ebenfalls dem Patriot- sowie dem Cloud-Act.
Darürber muss man sich im Klaren sein, wenn man seine Daten solchen Diensten anvertraut.

Abonement

Zuletzt noch ein Wort zum Abo-Modell beider Dienste.
Sowohl Instapaper als auch Pocket verlängern das Abo der Bezahlversion standardmäßig um ein weiteres Jahr bzw. um einen weiteren Monat.
Das kann man umgehen, indem man das Abo über den Google PlayStore bzw. den App-Store von Apple abschließt und das Abo sofort nach Abschluss wieder kündigt.

Über Eure Erfahrungen mit Pocket oder Instapaper in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.
Oder habt ihr einen dritten Dienst, auf den ihr setzt?

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